Bitte hört auf!




Sie sah sich schnell um, niemand war auf dem Gang zu sehen. Die Person, die hinter ihr stand, hätte sie nicht sehen können.

Plötzlich spürte sie einen Schlag von hinten und geschockt drehte sie sich um. Nicht schon wieder, bitte nicht. Nicht heute. Das Mädchen hinter ihr packte ihr Bluse und zog sie an sich.
„ Na, wen haben wir denn da?“ Sie versuchte sich zu wehren, als sie auch schon von hinten festgehalten wurde und ihr Kopf gegen die Wand schlug. Wieder und wieder. Dann wurde alles schwarz.

 

--*--*--*--*--



Schmerzen. Überall Schmerzen. Zitternd öffnete sie ihre Augen und schloss sie sofort wieder. Sie hatte Kopfschmerzen, ihr Kopf fühlte sich an, als ob er gleich explodieren würde. Woher kamen eigentlich diese anderen Schmerzen? Sie fing an, Tritte von der Seite zu spüren. Was war das? Unsicher öffnete sie wieder ihre Augen und schloss sie augenblicklich wieder. Es war zu dunkel, um etwas sehen zu können, außerdem taten ihr die Augen weh. Wo war sie denn überhaupt? Sie spürte etwas Hartes unter sich, sie lag auf etwas Hartem, aber wo?
Schließlich durchbrach sie diese Sperre ihrer Augen und riss sie auf. Sie sah Umrisse über sich und den dunklen Himmel. Der Mond war noch gar nicht zu sehen. Doch jetzt hatte sie andere Probleme.

„ Unser Prinzesschen ist aufgewacht, wer hätte das gedacht?“ hörte sie jemanden hämisch lachen und spürte gleichzeitig einen Tritt in ihren Magen, der sie aufkeuchen ließ. Sie krümmte sich zusammen und spürte weitere Tritte auf ihrem Körper. Sie versuchte etwas zu sagen, sie wollte um Gnade flehen, aber nichts als Wimmern kam aus ihrem Mund, der sich nicht öffnen ließ.

Sie sah wegen dieser Dunkelheit kaum etwas, aber sie spürte die Kälte und wusste, dass sie draußen lag. Nur wo? Während sie angestrengt überlegte, wie sie hier weg kommen könnte, beugte sich plötzlich jemand zu ihr herunter. Sie versuchte zu erkennen, wer das war, aber sie sah alles nur verschwommen und es war auch zu dunkel, um etwas erkennen zu können. Wieder versuchte sie etwas zu sagen, aber mehr als ein Krächzen brachte sie nicht heraus. Ihr Mund war wie ausgetrocknet und ihre Kehle tat ihr weh.
„ Wie war der Schlaf, Kleine? Erholsam?“ lachte dieses … Mädchen? …. und ohne Vorwarnung spürte sie einen Schlag auf ihre Wange. Ihr Kopf flog zur Seite und sie schloss wohlweislich ihre Augen. Die Tritte auf ihren Körper hatten aufgehört, aber das war erst der Anfang, das wusste sie schon. Instinktiv hob sie ihre Arme und versuchte ihren Kopf zu schützen, als diese auch schon von anderen Händen umklammert und wieder zurück auf den Boden gedrückt wurden. Verzweifelt versuchte sie sich aus dem festen Griff zu winden, als schon ein zweiter Schlag, diesmal mit der Faust, ihren Kopf erreichte. Als sie anfing zu treten, hielt eine zweite, dritte Person ...wie viele Menschen waren denn hier? .. ihre Beine fest und drückte diese auch auf den Boden.

„ Versuch nicht dich zu wehren.“ hörte sie eine hämische Stimme sagen, aber dennoch versuchte sie es. Sie wand sich und wollte sich aufrichten, aber je mehr sie sich wehrte, desto härter wurden die Schläge und desto fester die Griffe. Dann gab sie auf. Gegen diese Menschen konnte sie nichts ausrichten, hatte sie noch nie können. Reglos blieb sie liegen und die Schläge hörten auf.

„ Was für ein braves Kind, sie lernt dazu.“ Die Person vor ihr fuhr mit ihren Fingern durch ihr Haar und streichelte dieses, bevor sie ihre Finger in ihre Haare krallte, ihren Kopf hoch hob und ihn dann auf den Asphalt schlug. Leicht wurde ihr schwindelig bei dem Stoß und sie wimmerte leise.
„Aufhören!“ brachte sie schwach heraus und hustete. Sie wollte nach Hause, sich in ihr Bett legen und die ganzen Schmerzen ignorieren, aber diesen Wunsch erfüllte ihr hier niemand. Alle lachten auf und sie wusste - oder glaubte zu wissen – dass hier nicht nur Frauen waren. Was hatte sie diesen Menschen getan? Der Schwindel ließ nicht nach, als plötzlich wieder auf sie eingetreten wurde. Sie bekam nichts mehr mit, sie schreckte nur bei jedem Schlag wieder auf. Jemand trat ihr in den Bauch, und sie fühlte es in ihrem Bauch rumoren. Ihren Kopf wollte sie zur Seite drehen, aber der wurde festgehalten und sie würgte, bevor sie sich übergab. Unsanft drehte man ihren Kopf dann doch zur Seite, die Kleine sollte jetzt noch nicht an ihrem Erbrochenem ersticken. Als ihr Würgen nachließ, drückte sie eines der Mädchen in ihr Erbrochenes, doch sie wehrte sich heftig. Ihr Körper hob sich hoch, doch sofort drückte sie ein fremdes Bein wieder runter und eine zweite Hand half, sie zu drehen. Ein paar Tränen rannen aus ihren Augen, wie ihre Peiniger belustigt feststellten.

Schließlich drehte man sie wieder und einer trat ihr in den Bauch. Sie atmete keuchend und zitternd ein, aber niemand gedachte daran sie jetzt gehen zu lassen. Ein Tuch wurde ihr auf das Gesicht gedrückt und sie schrie leise auf, doch man wischte ihr nur das Gesicht ab.
Dann lag plötzlich eine Hand auf ihrem Mund und jemand zischte ihr ins Ohr. „ Wenn du nur einmal schreist, werden wir dich das runter schlucken lassen, verstanden?“ Sie antwortete nicht, so drückte die Fragende ihr die zweite Hand in den Magen. „Ob du das verstanden hast?“ schrie man sie an. Sie nickte schnell, als ihr die Nase auch noch zugehalten wurde und sie keine Luft mehr bekommen konnte. Kurz bevor sie die ersehnte Ohnmacht einholen konnte, ließ man sie wieder atmen und sie schnappte gierig nach Luft.

Plötzlich ließ jeder sie los und ihre Arme und Beine wurden frei. Sie versuchte schnell aufzustehen und wegzurennen, aber da trat wieder jeder auf sie ein. Sie riss ihre Arme hoch und schützte schnell ihren Kopf, instinktiv vermutlich. Jeden Tritt in ihren Magen ließ sie aufkeuchen, jeder Tritt in die Seite schmerzte um so mehr, doch sie hatte schon aufgegeben, sie konnte sich niemals gegen vier Personen wehren, wenn es nicht sogar mehr waren. Sie wusste es nicht, es war im Augenblick nicht wichtig, es genügte sich darauf zu konzentrieren nicht ohnmächtig zu werden, denn dann konnte sie für nichts garantieren. Sie wusste, dass sie nicht ohnmächtig werden dürfte, so könnte sie nämlich nie wegrennen und wer weiß, ob diese Verrückten sie nicht hilflos so liegen lassen würden?
Sie hatte gar nicht mitbekommen, dass man aufgehört hatte auf sie einzutreten, doch dann spürte sie Spucke auf ihrem Auge und wollte es angeekelt wegwischen – ein Fehler. Jemand beugte sich zu ihr und spuckte auf ihre Lippen. Sie sah denjenigen (eindeutig männlich) geschockt und ängstlich an, was diesen zum Lachen brachte. Sein Lachen war böse, aber auch belustigt. Sie wagte es nicht die Spucke wegzuwischen, wer wusste schon, was das bringen würde? Nur weitere Schmerzen, dessen war sie sich sicher.
Sie zuckte ängstlich, sehr ängstlich zusammen, als sie plötzlich etwas aufblitzen sah. Machten die Fotos von ihr...? Doch das war unwichtig, als man ihr ein Messer an die Kehle hielt.
„ Wenn du nur ein Wort darüber verlierst, was passiert ist, werden wir dich genüsslich aufsuchen und töten, verstanden?“ Der Typ sah sie böse an. „ Ob du verstanden hast??“ Er schrie sie an und drückte ihr das Messer ein bisschen näher an die Kehle. Verzweifelt nickte sie und versuchte weg zu robben, aber sie konnte nicht weg. Noch einmal drückte man ihr das Messer zu, dann wurde es weggezogen, und sie spürte wieder einen Schlag auf die Wange.

Der Typ kniete sich neben sie und beugte sich näher zu ihr, als ob er ihr zuhören wollte.
Sie flüsterte leise: „ Bitte... nicht.... hört....“ Sie schluckte, bevor sie das letzte Wort aussprechen konnte. „ ...hört.. auf.“ Der Typ grinste nur und drückte wieder ein Feuchtigkeitstuch auf ihr Gesicht, um es zu reinigen. Aber wieso...? Brutal wischte er über ihre Lippen und sie spürte, dass ihre Oberlippe auf riss. „Nein...“ flüsterte sie, als sie ahnte, was er vor hatte. Sie wollte schreien, sie wollte um sich schlagen und wegrennen, sie wollte jemanden, der ihr aus dieser Situation helfen würde, sie wollte weg, aber reglos blieb sie liegen, als er ihr fest seine Lippen auf ihre drückte. Ihre Arme hoben sich, um ihn wegzudrücken, aber diese wurden wieder festgehalten. Sie wimmerte und weitere Tränen rannen aus ihren Augenwinkeln, als er sie biss und sie zwang die Lippen zu öffnen. Sie versuchte ihren Kopf wegzudrehen, doch er ließ nur kurz von ihren Lippen ab, um ihr auf die Wange zu schlagen. Spucke rann ihr aus dem Mund, aber nichts brachte diese Menschen davon ab, ihr weh zu tun und sie zu … küssen. Sie strampelte mit ihren Beinen, die sofort festgehalten wurden. Ihre Augen öffneten sich und schlossen sich wieder, sie versuchte gegen jedes Gefühl anzukämpfen, aber das half ihr nicht weiter.

Plötzlich wurde er von ihr weggerissen. Irgendwer flüsterte in sein Ohr, aber sie bekam das nicht mit, sie weinte nur lautlos vor sich hin und wollte sich aus den Griffen befreien.
Das ihr bekannte Mädchen beugte sich wieder zu ihr herab und grinste sie an. „ Das hat dir gefallen, nicht wahr, du Luder? Kleinen Schlampen wie dir muss das gefallen, du willst es doch so. Sollen wir ihn dazu bringen, es dir zu besorgen? Das würde dir gefallen, hab ich Recht?“ Sie antwortete nicht, das war auch nicht nötig. Alle fingen an zu lachen und irgendwer schlug ihr ins Gesicht, dass es ihren Kopf ein weiteres Mal zur Seite fliegen ließ. Sie spürte das Blut, das aus ihrer Nase floss, und versuchte alles auszublenden, doch das war schwer, und es half auch nichts.
Von hinten legten sich auf einmal zwei Hände auf ihre Brüste und eine Hand drückte sich auf ihren Mund, als sie schreien wollte. Und das wollte sie. Sie zitterte noch stärker, als die Hände anfingen ihre Brüste fest durchzukneten, da war keine Liebe zu spüren, nur Hass und Wut. Sie schrie vor Schmerz und wehrte sich, doch sie konnte keinen Körperteil bewegen, sie konnte nicht einfach weg robben, wie sie es gerne getan hätte. Schauer zuckten durch ihren Körper, neben den ganzen Schmerzen, und sie wollte raus aus ihrem Körper. Sie fand es keineswegs erregend, sie verstand nicht, warum ihr Körper so reagierte.

Die Hand wanderte etwas weiter abwärts und riss ihr die Bluse entzwei. Nun lag sie nur mehr mit ihrem BH bekleidet da und weitere Tränen rannen über ihre Wangen. Die Hand auf ihrem Mund schnürte ihr die Luft ab, und nur durch die Nase zu atmen war anstrengend und unangenehm. Wieso sah jeder zu? Es waren doch auch Frauen anwesend, warum konnte man ihr das hier und jetzt antun? Was hatte sie getan? Was hatte sie ihnen denn eigentlich getan? Sie schluchzte und ihr Körper zitterte, ihr wäre es lieber, wenn man sie wieder schlagen würde, am besten bewusstlos. Aber niemand folgte ihrem Wunsch.

Auch die anderen knieten sich nun neben sie und eine Frauenhand – es war eindeutig eine Frau – strich ihr hart über die Haare, bevor sie ihr den BH vom Körper riss. Alle jubelten und lachten, und sie wurde rot vor Scham und Angst. Sie wollte das nicht, sie sollten aufhören.
Sie versuchte etwas zu sagen, aber die Hand auf ihrem Mund drückte noch fester auf sie. Sie wollte sie anflehen aufzuhören, sie wollte jeden Schmerz und jede Demütigung lautlos über sich ergehen lassen, wenn sie ihr diese eine Demütigung nicht antun würden. Alles, nur das nicht.
Es waren eindeutig mehr als nur vier Menschen da, zwei hielten ihre Arme und Beine am Boden, einer strich über ihren Körper, einer hielt ihr den Mund zu, und ein paar sahen zu, wie sie missbraucht werden würde. Die Hose riss man ihr schnell herunter und sie schloss ihre Augen, als man sie berührte. Ein Schauer durchlief ihren Körper, und sie hasste sich dafür.
„ Die Kleine ist schon ganz erregt, ihr gefällt das ja wirklich.“ lachte jemand und sie spürte, wie ihre Wangen erröteten vor Scham. Dann wurde die Hand endlich weggezogen und Lippen drückten sich auf ihren Mund. Diese bewegten sich auf ihr, und sie war sich hundertprozentig sicher, dass das keine männlichen Lippen waren, diese waren... anders. Sie fühlten sich kleiner und sanfter an und weitere Tränen verließen ihre Augen. Sie verschloss fest ihren Mund, da spürte sie schon den Schlag auf ihrer Wange.
„ Öffnen!“ fauchte ihr eine Frauenstimme ins Ohr und sie gehorchte ängstlich, wenn auch widerwillig.
Sie fühlte auch Lippen an ihrem Hals und ihre geschlossenen Augen zuckten, als jemand an ihrem Hals leckte und saugte. Immer wieder biss dieser jemand zu, und sie zuckte bei jedem Biss zusammen. Ihre Beine wurden auseinander gedrückt, und sie wimmerte. Zuckte. Weinte. Und schrie vor Schmerz, als sie innerlich zerrissen wurde.

 

 

--*--*--*--*--




Wimmernd lag das Mädchen auf dem Boden, und bewegte sich nicht mehr. Es hatte sich zusammengerollt, und sah aus, als ob es bei der kleinsten Berührung zerbrechen würde. Leise rannen ihr die Tränen über das Gesicht, während sie sich wünschte, gestorben zu sein. Den Schmerz fühlte sie in ihrem ganzen Körper, am meisten schmerzte es aber zwischen den Beinen. Sie schluchzte, als sie daran dachte, und verbarg ihren Kopf an ihrer Schulter. Sie lag noch immer auf dem kalten Asphalt, mittlerweile hatte es zu regnen begonnen, aber keiner merkte, dass sie hier war. Keiner merkte, dass sie fehlte. Sie weinte stumm vor sich hin und umklammerte ihren missbrauchten Körper mit den Armen.
Jede einzelne Berührung fühlte sie auf ihrem Körper, und sie weinte weiter. Ihr tat doch schon alles weh, und ihr Gehirn versuchte krampfhaft die Bilder des stöhnenden Mannes über sich los zu werden. Das höhnische Lachen versuchte sie mit Summen zu übertönen, auch wenn sie es nur innerlich hörte. „Warum ließen sie diese Menschen nicht einfach in Ruhe?“

„Warum hatten sie das getan?“
Dieser Gedanke war das einzige, an das sie denken konnte. Vor Schmerzen gekrümmt lag sie auf dem Boden. Unaufhörlich rannen ihr die Tränen über die Wangen, während sie versuchte, an nichts zu denken, abzuschalten. Noch näher zog sie ihre Beine an ihren Körper und umklammerte diese. Wie ein Baby lag sie da und weinte. Ihr Herz zog sich zusammen, als sie daran dachte, was passiert war.
„Warum waren sie so grausam zu mir?“
Ihr Körper bebte, als sie sich auf die Seite drehte und würgte, doch ihr Magen war leer. Immer noch spürte sie die Berührungen auf ihrem Körper und panisch riss sie die Augen auf, als sie ein Husten hörte, doch es war niemand in der Nähe. Niemand sah sie, wie sie blutend und beinahe nackt auf der Straße lag. Es war noch finster, aber es würde bald wieder hell werden, denn die Straßenlampen schalteten sich aus.

Sie versuchte sich aufzurichten, sie musste hier weg, bevor sie jemand so sehen konnte. Nach Hause konnte sie, dort war niemand, so wie eigentlich jeden Tag. Wer sollte schon auf sie warten? Sie war immer allein, obwohl sie erst 18 Jahre alt war und bei ihrer Familie lebte. Ihre Mutter arbeitete den ganzen Tag, ihr Vater war auf vielen Geschäftsreisen und Geschwister hatte sie glücklicherweise keine. Mittlerweile wollte sie allein sein, sie wollte niemanden mehr an sich heran lassen und hatte zwar einen Freund, den sie sehr liebte, aber wenn sie die Wahl hätte, würde sie sich für immer isolieren. Andere Menschen verletzten sie doch immer nur.
Sie keuchte, als sie sich auf die Knie rollte, es tat so weh. Einen Moment später übergab sie sich geräuschlos. Wie sie heute in die Schule kommen sollte, wusste sie noch nicht, sie wusste nicht, was sie tun sollte. Entweder nach Hause oder doch zu ihrem Freund..? Nein, sie hatte sich nicht von ihm verabschiedet, sie konnte ihn mit ihren Problemen nicht belasten, er wusste davon nichts, und sie wollte ihn nicht wütend machen. Er hatte seine eigenen Probleme, sie musste mit ihren fertig werden.
Mühsam richtete sie sich auf, sie spürte jede einzelne Gliedmaßen. Leicht versuchte sie sich zu strecken, aber der Schmerz zog sich durch ihren ganzen Körper, sie schrie leise auf. Sie wollte sich gar nicht ansehen, sie musste schrecklich aussehen. Auch wusste sie nicht, wie sie nach Hause kommen sollte. Den Bus konnte sie ganz bestimmt nicht nehmen, aber der Weg war so lang. Nun, sie hatte keine andere Wahl, sie würde wohl zu Fuß gehen beziehungsweise auf dem Boden kriechen müssen, wie es mittlerweile aussah.
Jeder Schritt war spürbar, aber sie biss tapfer die Zähne zusammen und versuchte nur an den Weg zu denken, nicht an die Schmerzen, nicht an das Geschehene. Immer noch weinte sie, einerseits wegen den Schmerzen, andererseits wegen dem, was passiert war. Wer hätte gedacht, dass diese Menschen jemals so weit gehen würden? Sie hatte ihnen doch nie etwas getan.

Auf dem Weg blieb sie immer wieder stehen, ihr war schwindelig. Kurz vor ihrem Haus stützte sie sich am Zaun ab und zog sich mehr, als das sie ging, weiter. Sie konnte einfach nicht mehr. Es wurde hell, die ersten Nachbarn traten aus ihren Häusern, doch niemand bemerkte das früher so unscheinbare Mädchen. Hätten sie sie heute gesehen, wäre sie nicht mehr so unscheinbar gewesen.
Dann war sie endlich da. Sie ergriff die Haustür mit zitternden Händen und versuchte den Schlüssel ins Schloss zu bekommen. Das Zittern wurde immer stärker, sie konnte beinahe nichts mehr sehen, schon wieder ein Schwindelanfall, doch sie versuchte sich zu konzentrieren, sie musste endlich ins Warme und wollte vergessen. Plötzlich ging die Tür auf, sie hatte den Schlüssel endlich ins Schloss gesteckt.

Das Mädchen zitterte, als es ins Warme kam. Sie seufzte leise und versuchte die Tränen von ihren Wangen zu wischen, während sie ins Bad kroch. Gehen konnte sie nicht mehr, es tat zu weh. Wieder würgte sie und bewegte sich schneller vorwärts, sie musste sich jetzt übergeben, sie konnte nicht mehr. Warum war ihr so schlecht?
Als sie im Bad ankam, war die Übelkeit verschwunden, und sie kauerte sich kurz zusammen, bevor sie sich auszog. Ihre Kleidung warf sie sofort in den Müll, sie war komplett zerrissen. Dann setzte sie sich in die Duschkabine und zog sich an der Wand hoch.

Das Wasser prasselte auf ihren Körper, und für einen kurzen Moment entspannte sie sich, bevor sie ihre schmerzenden Arme hob und versuchte sich einzuseifen, ohne sich dabei ansehen zu müssen. Ihre Haare wusch sie einmal, zweimal... Wieder und wieder seifte sie sie ein, sie musste diese Gerüche los werden, sie ertrug sie nicht mehr. Das Duschgel war aufgebraucht, so nahm sie sich das ihrer Mutter und leerte es, seifte sich immer wieder ein, bis auch die letzte Berührung von ihrem Körper gewaschen war.
Einen kurzen Blick erhaschte sie auf ihren mit blauen Flecken übersäten Körper, doch das beachtete sie nicht und stieg vorsichtig ins Freie, um sich in ein weiches Handtuch zu wickeln und in ihr Zimmer zu gehen. Jeder Schritt schmerzte zwischen ihren Beinen, doch sie stoppte nicht, sie wollte sich anziehen und dann schlafen. Ob die Schlaftabletten ihrer Mutter wohl noch da waren?
Endlich hatte sie ihr Zimmer erreicht und zog eine Schublade auf, um sich Unterwäsche und warme Socken, sowie einen Pyjama anzuziehen. Es strengte sie an, ihre Beine zu heben oder ihre Arme, doch nach einer Weile schaffte sie es, sich anzuziehen. Das Handtuch ließ sie achtlos auf den Boden fallen. An der Wand stützend ging sie ins Zimmer ihrer Eltern und holte sich eine Tablette, um einschlafen zu können und diesem Albtraum irgendwie zu entgehen.
In der Küche nahm sie sich ein Glas Wasser und trank in schnellen Zügen das Glas leer, ihre Kehle war wie ausgetrocknet. Die Zähne hatte sie sich in der Dusche schon geputzt, jetzt musste sie nur mehr ins Bett kommen.
Vorsichtig setzte sie einen Schritt vor den anderen und wimmerte jedes Mal, wenn ihre Beine aneinander rieben, was war da unten nur los? Doch sie wagte es nicht nachzusehen.

Schließlich lag sie in ihrem warmen Bett und schloss müde die Augen. Bald war das alles vorbei. Bald würde sie sich nicht mehr daran erinnern müssen, was passiert war, wenigstens für ein paar Stunden. Die Schule würde sie heute nicht besuchen, das hätte sie nicht mehr geschafft. Weder körperlich noch seelisch.
Ihre Augenlider schlossen sich und traumlos sank sie in einen tiefen Schlaf.

 

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Plötzlich fühlte sie eine feste Umarmung und langsam öffnete sie ihre schweren Lider, unfähig etwas zu realisieren. Doch dann zuckte sie zusammen und versuchte dem Griff zu entkommen.

 

„Ich bin bei dir, Baby.“, flüsterte ihr Verlobter in ihr Ohr. Es war nur ein Traum, schreck dich nicht und hör bitte auf zu weinen.“ Sie öffnete ihre Augen, sah in sein besorgtes Gesicht. Augenblicklich verbarg sie ihr Gesicht an seiner Schulter. „Warum haben sie mir das angetan? Was habe ich ihnen denn getan? Ich war noch so jung.“, schluchzte sie. Ihr Körper bebte in seinen Armen, ihre Finger suchten Halt und klammerten sich fest an seine Schulter. Sie drückte sich nah an ihn und suchte Trost, den ihr nie jemand würde geben können.
„Ganz ruhig..“, flüsterte ihr Verlobter immer wieder leise in ihr Ohr. „Bleib ganz ruhig..“ Und wiegte sie sanft hin und her.
Langsam beruhigte sich die junge Frau wieder und schläfrig lockerte sie ihren Griff, bis sie sich auf ihn legte und wieder einschlief.
Es war nur ein Traum gewesen.

 

 

--*--*--*--*--
 
 

Und nun stand sie hier. Lange hatte sie versucht, die Albträume los zu werden und Trost in den Armen ihrer großen Liebe zu finden, aber sie hatte nicht mehr genug Kraft, jeden Tag mit diesen Bildern im Kopf herum gehen zu müssen, sie konnte nicht mehr. Das Leben war ihr nicht mehr wichtig genug, der Tod war angenehmer, als jeden Tag daran denken zu müssen, jeden Tag zu sehen, was man ihr angetan hatte. Ihr Körper war übersät von Narben, man hatte sie auch nachher noch oft genug gequält. Warum? Sie wusste es nicht. Sie wusste nur, dass sie nicht mehr konnte.

„Ich will frei sein.“, flüsterte sie bestimmt und sah in den Abgrund, der direkt vor ihr lag. Leise schluckte sie, sie hatte Angst. Doch die Angst vor ihren Träumen war größer. Einen Abschiedsbrief für ihren geliebten Freund hatte sie schon per Post verschickt, in drei Tagen würde er ihn bekommen. Doch zuvor wird er von ihrem Tod erfahren. Es tat ihr Leid, und tief im Innersten schmerzte es sie, ihn allein zu lassen, aber es war das Beste für ihn.. Und auch das Beste für sie.
„Du schaffst das! Lass dich einfach fallen!“, flüsterte sie und ging noch einen Schritt weiter nach vorne.
„Es tut mir Leid, mein Schatz. Ich liebe dich.“, lächelte sie, bevor sie sich wirklich fallen ließ. Sie würde sterben. Doch es war auch der erste Schritt in die Sorglosigkeit, nach der sie sich schon so lange gesehnt hatte.

18.2.11 22:56

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