Dieser dunkle Weg

 Dieser dunkle Weg


This love - Craig Armstrong
Das Lied regt mich zum Nachdenken an ... Und zum Schreiben.

Diesen Tagebucheintrag habe ich für mich geschrieben, was mich dazu bewegt hat es zu veröffentlichen, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich versteht ihn auch niemand.
However, vielleicht hinterlässt mir doch jemand ein Review? Fragt mich, was ihr wissen wollt! Fragen, die euch spontan zum Text einfallen (und da gibt es bestimmt einige); kritisieren dürft ihr mich auch ...
Liebe Grüße,
luna-child.

 
♫ ♫ ♫


Wer bin ich?
Ich gehe diesen langen Weg entlang; um mich herum ist es dunkel. Ich blicke nicht nach rechts, ich schaue nicht nach links; es interessiert mich nicht, was um mich herum geschieht.

Warum wünsche ich mir stehen zu bleiben, und gehe doch stur weiter?
Der Wind rauscht in den Blättern der Bäume, die diesen Weg säumen. Ich werfe einen Blick über meine Schulter; mich fröstelt, doch niemand geht hinter mir. Ich beschleunige meine Schritte, ich fühle mich verfolgt.

Wehmütig denke ich an meine Kindheit zurück; wie ich als kleines Mädchen hier entlang ging. Meine Mutter ging schützend hinter mir, doch hinter mir ist nichts, oder kann ich in dieser Dunkelheit nur nichts erkennen? Mein Herz pocht protestierend, ich ignoriere es. Vor ein paar Jahren war noch alles in Ordnung, da musste ich es noch nicht mit dem Ernst des Lebens aufnehmen, da konnte ich lachend vor meiner Mutter hüpfen und Steine sammeln, die ich auf dem Weg hier fand. Da musste ich einfach gehen und wenn ich wollte, dann konnte ich stehen bleiben. Meine Mutter hätte mich hoch gehoben und weiter getragen. Nach Hause. In die Sicherheit. Sie hätte mich vor allem beschützt.

Mein Blick bohrt sich unweigerlich in die kleine Gestalt vor mir. Wirst du dir in ein paar Jahren auch wünschen, wieder ein kleines Kind zu sein – so wie du jetzt eines bist? Wirst du vielleicht hier entlang gehen und dich fragen, wie es in deinem Leben soweit überhaupt kommen konnte? Wirst du Angst haben? Wirst du melancholisch weiter gehen und nicht stehen bleiben, obwohl du dir nichts sehnlicher wünscht?
Plötzlich stolperst du und fällst nach hinten. Ich beobachte dich, wie du verwirrt auf dem Boden sitzt und einen Moment zu spät anfängst zu weinen. Hast du erst jetzt bemerkt, dass dir was weh tun könnte? Hast du dir weh getan?
Ich gehe schneller.

Du drehst dich um, siehst mich an. „Mama!“ Dein fordernder Blick bohrt sich in meinen, ich weiß genau, was du von mir verlangst. Dein Gesicht verzieht sich weinerlich, ich bin zu langsam, aber ich kann nicht schneller. Ich sehe deinen abwartenden Blick genau, während ich mich langsam zu dir knie.
Ich lächle.

Ich hebe dich hoch, herze dich, küsse dich.
„Ich liebe dich!“, murmle ich in dein kleines Ohr, ignoriere dein Strampeln und drücke dich fest an mich. „Sophie, ich liebe dich.“ Dein Schluchzen hört auf, ich wusste doch, du hast nur mit mir gespielt. Noch ein bisschen fester drücke ich dich an mich, möchte dich nicht los lassen. Du lachst, und brabbelst vor dich hin: „Mama!“ Dein Strampeln wird stärker. „Mama!“, beschwerst du dich vorwurfsvoll, als ich dich immer noch nicht los lasse. Du verziehst weinerlich dein Gesicht, und strampelst stärker in meinen Armen. Ich erbarme mich schließlich deiner, will ich doch nicht, dass du jetzt und hier anfängst zu weinen und setze dich vorsichtig, sanft, auf dem Boden ab. Langsam richte ich mich wieder auf. Du fasst nach meiner Hose, ziehst dich an mir rauf und stehst plötzlich unsicher auf deinen eigenen Beinen. Du rennst an mir vorbei, wirfst keinen Blick zurück.

„Sophie!“, ich drehe mich um und im nächsten Moment lächle ich. Dein Papa steht hinter mir, und wartet auf dich. Du wirfst dich in die Arme deines Papas, der dich hoch hebt und herzt und küsst. Ich gehe ein Schritt auf euch zu, ich möchte bei euch sein; doch dann wird mir schwarz vor Augen. Bevor ich falle, klammere ich mich an die Linde neben mir und versuche ruhig zu bleiben. Ich erinnere mich an die Worte meines Arztes. Ruhig atmen, ruhig atmen ...

Ein. Aus. Wieder ein. Und aus.

Hinter meinen geschlossenen Augen dreht sich alles, mir wird schlecht. Plötzlich spüre ich deine Arme an meinem Körper, du drehst mich zu dir. Mein Kopf lehnt sich an deine Brust; du hältst mich fest zusammen. Ich höre deine besorgte Stimme wie aus weiter Ferne: „ Was ist los? Ist dir schlecht? Soll ich einen Arzt rufen?“ Ich schlucke, versuche mich zu fassen. Ein paar Tränen verlassen meine Augen, fallen ungeachtet auf den Boden. Ich versuche Luft zu holen – es geht.
„Nein...“, ich versuche stark zu sein, versuche meine Augen zu öffnen. Der Schwindel lässt nach und zaghaft öffnen sich meine Augen wieder. Meine Arme, die dich umklammert hielten, lassen dich vorsichtig los und ich hebe meinen Kopf, um in dein Gesicht sehen zu können.

„Wo ist Sophie?“ Diese Frage drängt sich in mein Bewusstsein, alles andere ist im Moment egal. Meine Gesundheit spielte immer schon eine Nebenrolle, wenn es um mein Kind ging.

Ich drehe mich mit diesen Gedanken in deinen Armen, sehe um mich und erblicke meine zweijährige Tochter, die lachend auf dem Boden sitzt und mit den Kieselsteinen spielt, die noch vom Winter übrig geblieben sind. Sie hebt einen großen Stein auf, sieht ihn an, öffnete prüfend ihren Mund, schließt ihn wieder, öffnet ihn ein weiteres Mal und nimmt den Stein in den Mund.
„Sophie!“, rufe ich sie empört. Sie hebt ihren kleinen Kopf, der Stein fällt aus ihrem Mund, der sich vor Schreck geöffnet hat. Ich frage mich, was sie denkt. Vielleicht überlegt sie, wie ich das bemerken konnte. Sie hat mich schließlich auch nicht beachtet, wie konnte ich denn auf mehrere Sachen gleichzeitig achten?

Mein Freund hält mich immer noch in seinen Armen fest, er hat seinen Blick nicht von meinem Gesicht abgewendet.
„Es geht mir gut.“, ich sehe zu ihm auf und erblicke seine vor Sorge durchtränkten Augen. Unsere Tochter war zu uns gelaufen, sie zieht an seinem Bein, ich spüre es genau. Wie gerne ich doch mit ihr tauschen würde. Noch einmal eine unbeschwerte Kindheit erleben, noch einmal diese Unbesorgtheit spüren zu können.
„Du hast es gut.“, flüstere ich ihr zu, während sie ihre Arme um meinen Hals schlingt. „Du bist schließlich nicht krank.“, füge ich in Gedanken hinzu und drücke sie fest an mich, rieche an ihrem Haar. Mein Freund streicht mir mit seiner freien Hand über mein Haar, und drückt mich näher an sich.

„Wir kommen dich morgen wieder besuchen ... Jetzt ruhe dich aus.“, flüstert mir mein Freund leise ins Ohr, während er mir Sophie abnimmt. „Und nächste Woche bist du wieder daheim; dann geht es dir besser.“, beruhigt er mich weiter.

„Ich vermisse euch.“, flüstere ich. Er drückt mir einen Kuss auf die Stirn, ich gebe meiner Tochter einen Kuss. Und dann gehen sie.

19.2.11 15:41

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen